Manfred Köhler 14.09.2026
Ein Sportverein ist der perfekte Übungsraum für das Lernen demokratischer Werte – ganz nebenbei. Matthias Weber, Vorsitzender des TSV Hof, hat da viel Erfahrung.

Matthias Weber (links) ist nicht nur Vorsitzender des TSV Hof, sondern auch Handball-Abteilungsleiter und Trainer. Dabei kann er auch auf Wolfgang Schlegel (rechts) bauen, der als Handball-Urgestein in Hof und aktiver A-Jugend-Trainer über 50 Jahre praktische Erfahrung einbringt. Foto: Manfred Köhler
Auch in einem Alter, in dem sich die meisten Kinder noch nicht für Politik interessieren, können sie an demokratische Grundwerte herangeführt werden. Sportvereine bieten den perfekten Raum dafür. Deshalb widmen wir uns im Rahmen der Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“, an der sich die Frankenpost beteiligt, zum Auftakt als einem von vielen möglichen Beispielen dem TSV Hof.
Ins Team einfügen
In Vereinen verstehen schon die Kleinsten, dass man sich ins Team einfügen und auch mal zurückstecken muss – und dass man Verantwortung übernehmen kann. Regeln werden im Verein gemeinsam gestaltet, aber man muss auch Konflikte aushalten und Mehrheitsentscheidungen akzeptieren. Aber was ist, wenn einer ständig querschießt?
Herausforderungen
Matthias Weber (59) hat als Vorsitzender des TSV Hof und lebenslanger Vereinssportler schon so ziemlich alles erlebt, was es an zwischenmenschlichen Herausforderungen geben kann. An einen Vereinsausschluss wegen ungebührlichem Verhalten kann er sich nicht erinnern, und dafür hat er eine einfache Erklärung: „Wenn einer sich nicht einfügen will, wird er von den Teamkameraden schon zurechtgestutzt, bevor der Konflikt eskalieren kann.“
Besonders in der Pubertät
Es gehöre gerade zur Pubertät, ständig die eigenen Möglichkeiten auszureizen, sagt Weber – aber als Teil einer Gruppe, eben wie in einem Verein, stoße man auch auf Gegenkräfte. Teamfähigkeit – als Voraussetzung für Erfolg – entwickle sich da ganz von selbst und ohne dass Erwachsene wie Trainer oder Funktionäre groß eingreifen müssen.
Doch in einem nichtkommerziellen Verein wie dem TSV Hof geht es um mehr als nur den Sport selbst. Nicht nur der Trainingsbetrieb, auch die gesamte Vereinsorganisation, die Nachwuchssuche und damit die Zukunftsfähigkeit des Vereins müssen die Mitglieder selbst aufbringen – in ehrenamtlicher Arbeit. „Spaß am Sport – Stärke in der Gemeinschaft“ lautet daher der Leitspruch, den Matthias Weber für den TSV geprägt hat.
2.000 Mitglieder, straffe Organisation
Um einen solch großen Verein mit 2000 Mitgliedern erfolgreich zu führen, ist eine straffe Organisation nötig: „Wir haben eine aufgefächerte Struktur mit 16 Abteilungen, die ihre eigenen Wahlen durchführen und teils auch eigene Schatzmeister haben“, berichtet der Vorsitzende. Alle vier Wochen treffe sich der Vorstand des Hauptvereins mit den Abteilungsleitern, um aktuelle Themen zu besprechen. Hinzu kommen die jährlichen Hauptversammlungen, in denen sich jedes Mitglied nach einem schriftlichen Antrag zu Wort melden kann und gehört wird. Alle zwei Jahre wird auf Hauptvereinsebene gewählt.
Viele Helfer im Hintergrund
Auch wenn es die engagierten Abteilungsleiter, Vorstände und Beisitzer sind, die den Verein am Laufen halten – ohne die vielen zusätzlichen Helfer im Hintergrund, die sich ganz ohne Amt und Würden einbringen, ginge gar nichts. „Die Mehrheit unserer Eltern hilft irgendwie“, sagt Matthias Weber. Das könne am Spielfeldrand sein, zum Beispiel als Aufsicht oder als Fahrer. Andere Eltern wiederum backen Kuchen und kochen Kaffee, um an Aktionstagen oder bei Messen das Publikum an die Stände zu locken.
Die Stärke des TSV Hof liegt nicht nur in einer tatkräftigen Elternschaft, sondern auch in seiner Altersstruktur: Rund die Hälfte der Mitglieder ist unter 18 Jahre alt. Diese breite Nachwuchsbasis ist freilich nicht von selbst entstanden – und zieht sich auch nicht durch alle Abteilungen. Entscheidend sind aktive Übungsleiter, die sich um neue Mitglieder und junge Talente bemühen.
Kontakt zu den Schulen
Einer davon ist Wolfgang Schlegel, der seit 50 Jahren beim TSV Hof aktiv ist, früher als Handballspieler, heute als Trainer für die A-Jugend. Neben seinen Aufgaben als Coach pflegt er auch den Kontakt zu den Hofer Schulen, um Kinder für den Handballsport zu begeistern. Dazu gehört es zum Beispiel, in die 3. und 4. Klassen zu gehen, den Verein und speziell die Handballabteilung vorzustellen und zum Probetraining einzuladen.
Genauso wichtig wie die Suche nach sportlichem Nachwuchs ist es, immer wieder neue Übungsleiter zu gewinnen. Denn ohne Trainer kann ein Verein auch mit noch so viel Nachwuchssportlern nicht wirklich etwas anfangen. Gerade das Werben um Trainer sei aber mit am schwersten, weil an dieser Funktion sehr viel Verantwortung hängt: „Übungsleiter zu sein, ist anstrengend“, stellt Matthias Weber fest.
Trainer halten den Betrieb am Laufen
Ein Trainer müsse sich an Termine halten, immer da sein, immer gut vorbereitet sein. Und das betreffe eben nicht nur den Sport, sondern auch alles andere, was den Betrieb dauerhaft am Laufen hält. Anders ausgedrückt: „Wenn eine Abteilung zehn Jahre lang keine Jugendarbeit betreibt, ist es vorbei.“
Immer freiwillig
Leitet sich aus der Notwendigkeit zum Mitmachen auch eine moralische Verpflichtung ab? Diese Frage wird von Matthias Weber ganz klar verneint. Der Vereinssport sei ein Hobby, das mit Menschen zu tun hat, solche Angebote brauche die Gesellschaft unbedingt. Persönliches Engagement aber sei immer freiwillig. „Viele unserer Mitglieder sind ja nicht nur bei uns aktiv.“ Und die verfügbare Zeit sei bei berufstätigen Menschen eben begrenzt.